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©W.Kühn
Stanka Hrastelj (Slowenien)
Stanka Hrastelj wurde in Brežice geboren und lebt als Lyrikerin und Übersetzerin in Krško. Sie zählt zu den bekanntesten Stimmen der jüngeren slowenischen Literatur.

2013 erschien in der Edition Korrespondenzen der Band Anatomie im Zimmer, von Daniela Kocmut kongenial ins Deutsche übertragen.


»Der Duft nach Papier

Der Regen duftet nach Papier,
ebenso die Black Jeans von Versace, daher
lese und schreibe ich heute, ich schreibe
und lese und lerne zu leben,
obwohl das überhaupt nicht vergleichbar ist
mit den Veränderungen, die der März bringt
oder mit Aleš' Überzeugung, er sei ein guter Liebhaber,
was ihm die Jungs langsam glauben.
Ich betrete das Papier wie Rom,
Barfuß durch den Rubikon, befahl Fellini,
ich gleite über die Seiten wie über einen Regenbogen,
ich glaube im Parfum
ist auch etwas Pfeffer, aber Männer riechen
weder nach Pfeffer noch nach Papier,
allesamt nehmen sie lieber das alte fade Old Spice
und halten jegliches Kerzenanzünden für
Romantikwahn.
Unnötig zu erwähnen, dass sie nichts über Frauen wissen,
ein klein wenig über Frauen wussten höchstens
Andrei Rubljow, Pierre Abelard und Johannes der Täufer.
Und was kann man überhaupt über jemanden wissen?
Neulich zündete ich alle Kerzen an, die ich finden konnte,
ich zog einen Rock an und band mir ein
Tuch mit Fransen und Muscheln um die Huften
und tanzte einen Bauchtanz.
Aber hier geht's nicht um Romantik, gab mein Mann zu
und las aus seiner Zeitschrift vor
Die Gebärmutter sehnt sich nicht nach einem Kind, sondern
nach einem Phallus
(aus dem Slowenischen von Daniela Kocmut, erschienen in "Anatomie im Zimmer", Edition Korrespondenzen, 2013)

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